Die Reerdigung ist eine der jüngsten Bestattungsformen – und eine der naturnahesten. Der Körper des Verstorbenen wird dabei in nährstoffreiche Erde verwandelt. In Deutschland ist diese Form derzeit noch nicht zugelassen.
Der Gedanke dahinter: Zurück in den Kreislauf der Natur. Kein Sarg, keine Einäscherung, keine Emissionen – nur biologische Umwandlung. Für viele Menschen, die Nachhaltigkeit als Lebenseinstellung verstehen, ist die Reerdigung ein konsequenter letzter Schritt.
Was ist Reerdigung?
Bei der Reerdigung – auch „Human Composting" genannt – wird der Körper durch einen natürlichen Verrottungsprozess in Komposterde umgewandelt. Dies geschieht in einem speziell konzipierten Behälter, dem sogenannten Kokon, unter kontrollierten Bedingungen. Am Ende des Prozesses entstehen rund 60 bis 70 Liter nährstoffreiche Humuserde.
Diese Erde können Angehörige erhalten und im Garten, auf einer Wiese oder unter einem Baum einsetzen – als lebendige Verbindung mit dem Verstorbenen.
Wie läuft eine Reerdigung ab?
Der Körper des Verstorbenen wird ohne Sarg und ohne chemische Behandlung in den Reerdigunskokon gebettet – gemeinsam mit organischen Materialien wie Stroh, Holzspänen und Blumenerde. Durch Mikroorganismen und kontrollierte Wärme (ca. 55°C) wird der Körper in etwa 30 bis 45 Tagen vollständig zu fruchtbarer Erde. Der Prozess ist geruchsarm und findet in einer geschlossenen Anlage statt.
Rechtslage in Deutschland
In Deutschland ist die Reerdigung derzeit noch nicht gesetzlich zugelassen. Der Bundesrat hat 2023 eine Resolution verabschiedet, die die Einführung empfiehlt – eine bundesgesetzliche Regelung steht jedoch noch aus. Einzelne Bundesländer prüfen eigene Regelungen.
In der Schweiz wurde Reerdigung 2024 als Pilotprojekt erprobt. In den USA ist sie seit 2019 in mehreren Bundesstaaten (Washington, Colorado, Kalifornien u.a.) legal und wird von spezialisierten Unternehmen angeboten.
Wer diese Bestattungsform bevorzugt, sollte die rechtliche Entwicklung in Deutschland beobachten und seinen Wunsch schriftlich in einer Bestattungsverfügung festhalten.
Kosten
Da die Reerdigung in Deutschland noch nicht möglich ist, können derzeit keine verbindlichen Preise genannt werden. Erfahrungswerte aus den USA zeigen Kosten zwischen 5.000 und 8.000 US-Dollar – inklusive Transport und Urnenübergabe der Erde.
Nachhaltige Alternativen in Darmstadt
Wer sich eine naturnahe, nachhaltige Bestattung wünscht, hat in und rund um Darmstadt bereits heute vielfältige Möglichkeiten:
- Baumbestattung: Beisetzung an den Wurzeln eines Baumes in einem genehmigten Bestattungswald
- Naturfreundliche Grabgestaltung: Tier- und insektenfreundliche Gräber auf dem Friedhof
- Abbaubare Urnen: Biologisch abbaubare Urnen aus Naturmaterialien für die Feuerbestattung
- Aquamation: Auflösung des Körpers durch alkalische Hydrolyse – in Deutschland ebenfalls noch nicht zugelassen
Wir beraten Sie gerne zu allen nachhaltigen Bestattungsformen, die heute in Deutschland möglich sind.
Häufige Fragen
Wird Reerdigung bald in Deutschland legal?
Die politische Diskussion ist im Gange und hat Fahrt aufgenommen. Eine bundesgesetzliche Regelung wird für die kommenden Jahre erwartet. Ob und wann sie in Hessen umgesetzt wird, hängt von Landesgesetzgebung und Friedhofsrecht ab.
Was passiert mit Knochen bei der Reerdigung?
Knochen werden nach Abschluss des Prozesses gemahlen und der Erde beigemischt – ähnlich wie bei der Kremation, nur auf natürlichem Weg.
Gibt es ähnliche Alternativen?
Ja: Die Aquamation (alkalische Hydrolyse, also Auflösung im Wasser) und die Pilzbestattung (durch spezielle Myzel-Pilze) sind ebenfalls neuartige Naturbestattungen, die in Deutschland noch nicht zugelassen sind.
Beratung zu nachhaltigen Bestattungsformen
DECHERT Bestattungen – Darmstadt
Nachhaltige Bestattungen
Baumbestattung, naturfreundliche Gräber
Abbaubare Urnen, Olivenhainbestattung
Bundesweites Netzwerk
Wir beobachten die Entwicklung neuer Bestattungsformen genau und informieren Sie gerne, sobald neue Möglichkeiten in Deutschland verfügbar werden.